Liedertexte

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Bališ und Vlado Kreslin


Press

  • Wenn Pannonien in die Südsee kippt
    Weltmusik aus einem europäischen Winkerl: Vlado Kreslin heizte beim Laibacher Sommerfestival mit Mama und Papa noch einmal richtig ein.
    Von U. Loigge, Kleine Zeitung, 8. septembra 2001
  • Berichte und veranstaltungen
    Sevdalinke gegen Rassismus, Konzert von Vlado Kreslin und Vali
    Prekmurje trifft Bosnien-Herzegowina in Ljubljana

    Theater

Übersetzung: Klaus Detlef Olof


An wessen Statt die Blume blüht

Manche Nacht, die ich bei den Störchen verbring'
unter hängendem Nebel,
stehe ich still, allein, unter ihnen
nur die Beine über dem Wasser.

Wenn dann die Glut das Dunkel durchbeißt,
erwachen wir aus dem Traum,
der Moorbruch neuer Wünsche
fliegt auf in den Himmel.

An wessen Statt die Blume blüht,
an wessen Statt bin ich,
welche Haut am stärksten riecht,
wessen Gedicht braucht mein Lied?

Und wenn das Gras über meinem Grab
eine Blume erblühen läßt:
den einen ein Tropfen im Auge still,
den andern ein Honignest.

An wessen Statt die Blume blüht,
an wessen Statt bin ich,
welche Haut am stärksten riecht,
wessen Gedicht braucht mein Lied?



Eines Morgens, wenn es tagt

Der Sonnenstrahl steigt schon aus dem Schlaf,
schau, das Licht ist überm Wasser aufgegangen!
Wenn dem letzten im Dunkel die Kräfte vergehn,
freuen sich Hunderte Neue der Sonne.

Eines Morgens, wenn es tagt
und sich die Köpfe abkühlen,
geht jeder seinen Weg.
Eines Morgens, wenn es tagt
und die Tränen trocknen,
eines Morgens,
wenn es tagt.

Dort beim alten Ofen, wie oft in alten Tagen,
die Hüte auf dem Schrank und die Hände warm,
erinnern wir uns eines alten Liedes, das noch allen gehörte,
lauter als alle Stürme wird dann unser Lachen sein.



Wälze, ach wälze

Wo der Mur Wellen
sich in Nebel hüllen,
locken wirbelnde Kreise
in die Tiefe.
Lärmendes Tosen
erfüllt mich mit finsterer Lust
und übertönt selbst Herz und Kopf.

Die kurze Frage ätzt,
sie gibt keine Antwort:
ans Ufer
oder ins Wasser?
Entweder dies oder das
sag mir, Liebste,
ws soll ich jetzt tun,
wie den dunklen Mächten
entfliehen?

Trag nur nicht zu schnell,
Mur, meine Tage davon;
wälze, ach wälze
noch einen Stein oder zwei,
oder drei.

Meine Liebe
wendet genauso still den Kopf zu Seite,
sie läßt mich allein,
allein mit dem Wasser.
Wo der Mur Wellen
die eigenen Ufer untergraben,
drehen rauschende Kreise
meinen Leib.

Trag nur nicht zu schnell,
Mur, meine Tage davon;
wälze, ach wälze
noch einen Stein oder zwei,
denn nach einigen meiner Jahre
sehen wir uns ja wieder.
Trag nur nicht zu schnell,
Mur, meine Tage davon;
wälze, ach wälze
noch einen Stein oder zwei,
wälze, ach wälze
noch einen Stein oder zwei,
oder drei.


Dein Morgen

Nächtliche Schatten heben sich in den Tag,
im Nebel über dem Wasser die alte Mühle,
die letzten Träume ziehen sich zurück
in eine schönere Erinnerung.

Der erste Pfiff schneidet durch die Luft
der Strahlenkranz badet im Tau,
über die Dächer der Stadt, in die Köpfe,
Herzen und Keller hinein
erwacht wieder ein neuer Tag.

Ein neuer Morgen, ein neuer Tag!

Manchmal, selten genug,
findest du es gut,
daß du lebst,
daß dich nichts schmerzt,
daß der Sonnenstrahl, der dich weckt,
am schönsten ist,
wenn du ihn dir aus den Augen reibst.

Das ist dein Morgen, dein Tag!


Wenn ich dich hätte

Hellrote Blumen duften lockend
zwischen Dornen, die der Nachtigal
das Herz durchstechen.
Sogar die Mur würde ich durchschwimmen,
meinen Namen verheimlichen
mich wie ein Zeck
in dein Herz bohren.

Ich würde dir einen schöneren Tag machen,
ich würde dir Tage und Morgen abzählen,
Regentropfen für dich in der Hand bewahren,
wenn ich dich hätte,
wenn ich dich hätte.

Ich würde die Spuren verwirren,
mir die Haare färben,
mich wie ein Hund
auf deine Beine stürzen.

Ich würde dir einen schöneren Tag machen,
ich würde dir Tage und Morgen abzählen,
Regentropfen für dich in der Hand bewahren,
wenn ich dich hätte,
wenn ich dich hätte.



Kleine weiße Sterne

Kleine weiße Sterne verteilen sich,
treffen Anstalten vor der Nacht.
Füllen die Wagen, große und kleine,
setzen sie auf die Milchstraße.

Was ist das, was verbirgt sich dort
in dem weißen Punkt über dem Berg?

Kleine weiße Sterne entspinnen uns das Schicksal
weit über den schwarzen Himmel,
Schützen, Wassermänner, Jungfrauen und Widder
blinzeln Nacht für Nacht.

Was ist das, was verbirgt sich dort
in dem weißen Punkt über dem Berg?
Dort über dem Berg, dort über dem Wasser,
dort fallen weiße Punkte auf die schwarze Erde.

Kleine weiße Sterne gleiten durch die Finger,
bis das Auge ermattet,
Schützen, Wassermänner, Jungfrauen und Widder
sagen Dezember oder Mai,
sagen Anfang oder Vorbei!



Die Krähen

Krähen sind gern gesellig,
Fünfe sitzen auf einem Zweig,
und als das Gewehr knallt,
fällt eine herab,
sag, wieviel ihrer
noch droben sitzen.

Jäger sind gern gesellig,
Fünfe sitzen auf dem Hocker,
da dreht sich der Wind,
die Garnitur stürzt ab,
sag, wieviel ihrer
noch droben sitzen!

Kriegst du 's nicht raus, frag die Eule,
die niemals schläft!

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus,
ein Jäger hält dem anderen den Hocker!

Jetzt sind die Wölfe freundlich,
die Schafe beißen wütend,
jetzt sich die Hirsche langsam,
nur die Schnecken haben 's eilig,
jetzt liegen selbst die Bilche
vor ihrem Bau in der Sonne;
die Uhren ticken,
aber die Zeiger stehen,
sag, wieviel ihrer
noch oben sitzen.



Diese schwarze Gitarre

Ich war noch Vladek,
als sie - wie immer zum Feiertag -
die schnauzbärtigen Zigeuner
ins Haus aufspielen kamen.
Aus dem Zimmer holte Vater die schwarze Gitarre,
die er gekauft hatte
fürs erste Gehalt.

Herr, haben Sie noch diese Gitarre,
Herr, haben Sie noch diese schwarze Gitarre?
Herr, die war wirklich gut.

Sie fragten ihn
noch lange danach,
immer, wenn sie um Kleingeld herumgingen.
Immer wenn sie im Dorfgasthaus spielten
und in den Pausen zum Schanktisch kamen.
Und ihre Frauen,
wenn sie an die Tür kamen
um alte Kleidung,
fragten gern:

Herr, haben Sie noch diese Gitarre,
Herr, haben Sie noch diese schwarze Gitarre?
Herr, die war wirklich gut.

Manchmal, wenn ich nach Haus komme,
setze ich mich unter die Kastanie
und trinke,
trinke mit Freunden,
die noch dort leben.
Dann spielen sie
fast immer
am Tisch für uns auf
und fragen,
die Kindergesichter
mit der rauhen Stimme:

(Prekmurje-Dialekt:) Herr, haben Sie noch diese Gitarre,
Herr, haben Sie noch diese schwarze Gitarre?
Herr, die war wirklich gut,
die war wirklich gut.
Weißer Sonntag

Weißer Sonntag,
in mir ist keine Ruhe,
Schatten begleiten mich alle Tage und Nächte.
Der Duft der Chrysanthemen
macht dich nicht wieder wach.
Die schwarze Kutsche
hat dich in den Himmel geführt.
Ich weiß, die Engel lassen dich
nicht mehr herüber,
sollen sie auch mir erlauben,
endlich zu kommen
diesen Sonntag.

Weißer Sonntag,
und die Schatten sammeln sich,
mein Herz flüstert mir zu,
bring heute alles zu Ende,
dann aber,
wenn Tränen und Kerzen leuchten,
singt lieber für mich,
daß ich euch höre im Himmel.
Liebste,
laß mein Lied
nicht deinen Schlaf stören,
in weißer Stille
werden wir uns küssen
diesen Sonntag.



Jouzek

Im Jahre 18
Die Gewehre verstummen,
winzige Finger greifen
nach den Saiten.
Mit 14 werden erstmals die Finger
steif in der Musikantennnacht -
verfliegt der Tau.

Für Freuden- und Schmerzenstränen
finden die Finger eine Spur.
Sei es König oder Bettler,
Braut oder Vagabund,
diese Kinderfinger,
Kociper mit Namen.

Auf Hochzeitsfeiern
und auf dem letzten Weg -
manchmal der Pfarrer,
manchmal ein Poet.
Noch gestern waren alle
von der Banda da,
zurück blieben nur
knotige Finger*.

Für Freuden- und Schmerzenstränen
finden die Finger eine Spur.
Sei es König oder Bettler,
Braut oder Vagabund,
diese knotigen Hände,
der Kindername.

Deine knotigen Hände, der Baß
und der Kindername,
Jouzek, warte auf mich
am Ende dieser Straße!



Wo ich geboren bin

Das Bild vergilbt schon,
das Bild, du und ich,
Stiefelchen und neues Gewand,
die Gibanica duftet,
und deine Mutter,
so schön so schlank!

Wer ist der Mann, der da sitzt,
und das Mädchen, das dich auf dem Schoß hält?
Hier steht jetzt ein neuer Block,
alles scheint, als wäre es gestern,
du warst aber wirklich ein herziges Kind!

Weit, so weit,
weit ist der Ort,
wo ich geboren bin.

Über die Berge sinkt Dunkelheit,
ich mache Licht,
lange Jahre haben mir
den Glanz aus den Augen gewaschen,
und das Bild bleicht
jeden Tag mehr.



Jauchzen und Weinen

Gestern starb ein Narr,
Dorfkünstler, kurz ein Narr,
allen Anlaß zum Lachen,
allen Spiegel des eigenen Erfolgs.

Mit sich nahm er nur das Lächeln,
die kindliche Frechheit, den naiven Blick,
ein Strahl aus den Augen, der glüht und brennt.

Laßt es hören, kommt, Jauchzen und Weinen
sollen uns begleiten auf unserem letzten Weg!

Gestern starb der Himmel,
blau, unberührt,
allen ein ersehntes Ziel,
nie erreicht, fern wie ein Traum.

Mit sich nahm er nur den Ruf
tschiu, tschiu, tschiu einsamer Vögel,
das letzte Glühwürmchen im Finstern,
das aufglüht und davonfliegt.

Laßt es hören, kommt, Jauchzen und Weinen
sollen uns begleiten auf unserem letzten Weg!


Qué será, será

Ich war rein wie ein leeres Blatt.
Ich fragte die Sterne nach ihrem Plan.
Wird es lange, wird es fair,
bin ich der Jäger oder das Wild?

Qué será, será,
wie auch immer, es sei,
da schmuggelt sich keiner durch,
qué será, será.

Die Meister von Körper und Geist
betasten die Stirn, messen den Kopf,
Werde ich linkisch oder reich,
werde ich spitz oder rund.

Qué será ...

Einen Haufen Seiten habe ich jetzt beschrieben,
wer bindet sie mir, macht ein Buch daraus?
Es ist mir egal, es tut mir nicht leid,
es gibt keinen, der übrig bleibt.

Qué será ...



Da spielte, da spielte

Auf dem Meer schwamm eine Galeere,
ihr begegnete ein Mädchen aus Beltinci.

Womit nährst du deine Tauben,
deine Tauben?
Ich schneide mich selbst, alle Tauben,
alle Tauben nähre ich!
Womit tränkst du deine Tauben,
deine Tauben?
Tränen vergieß ich, alle Tauben,
alle Tauben tränke ich!

Da spielte, da spielte Rados Banda,
da tanzte, da tanzte
das Mädchen aus Beltinci.
Da spielte, da spielte Vlados Banda,
da tanzte, da tanzte das Mädchen aus Beltinci!




Theater

WOYZECK // von G. Büchner

hinweis

Weitere Vorstellungen:
Di17., Sa21., Di23. Dezember 2002, 19:30
Mi15., Mi22., Do23., Mo27., Di28. Januar 2003, 19:30

Slowenisches Nationaltheater DRAMA, Ljubljana
WOYZECK // von Georg Büchner

Übersetzung Mojca Kranjc // Musik Vlado Kreslin // Regie und Bearbeitung Ernst M. Binder // Bühne Luise Czerwonatis // Kostüme Swetlana Visintin und Leo Kulas // Choreografie Tanja Zgonc // Licht Lukas Kaltenbäck

mit
Gregor Bakovic (Franz Woyzeck), Natasa Barbara Gracner (Marie), Alojz Svete (Andres), Kristijan Muck (Hauptmann), Andrej Nahtigal (Doktor), Valter Dragan (Tambourmajor)
und
Zvone Hribar, Maja Koncar, Barbara Levstik, Katja Levstik, Gorazd Logar, Jeriza Mrzel, Marko Okorn, Mojca Ribic, Tina Ursic, Blaz Valic, Alenka Vipotnik, Meta Vranic, Gregor Zorc, Metoda Zorcic
und als Kind
Timotej Velkavrh Blazevic

http://www.sngdrama-lj.si